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Persönlichkeiten

Die Geschichte von Gebäuden ist zugleich auch die Geschichte von Menschen, welche diesen dienten, sie erhielten, verschönerten und mit Leben erfüllten, damit der Bau selbst lebt. Stirbt das Leben im Bauwerk, so nimmt dessen Verfall einen um ein Vielfaches schnelleren Verlauf. Unbeeinflusst von der Dicke der Mauern und von Balken aus bester Eiche. Der Mensch darf ein Bauwerk also nicht nur nutzen, sondern er muss auch dem Bauwerk nutzen, soll es ihm auf Dauer nutzen. Die Jahrhunderte alte Geschichte des Schlosses Crossen ist, wie wohl kaum bei einem anderen Schloss,ein beredtes Zeugnis für diese Binsenweisheit. Insbesondere durch den „Wiederholungsfaktor“ im Umgang mit ihm.  Für das Bistum Zeitz war die damalige Burg Crossen nurmehr Mittel zum Zweck. Also zur Verwaltung von Gütern, Menschen und zum Eintreiben von Abgaben.Da damit auch einmal Ärger zu erwarten war, saß der Verwalter, Vogt genannt, zugleich sicher hinter den dicken Mauern. Das Interesse,auch etwas für den Sitz der Verwaltung auszugeben,hielt sich gegen Null. Selbst nachdem man „glaubte“ über Andere ein Urteil im Konvent mit fällen zu müssen und der Zorn der Anhänger von Jan Huss u.a. auch mit der Zerstörung des Bistums Zeitz und auch der Burg Crossen endete, war doch die Ruine noch immer die günstigste Form für die einnehmenden Wesen in Zeitz -nach Umzug das Bistum Naumburg -,vor allem für deren eigene Sicherheit. Erst die Reformation, welche auf Änderung der kirchlichen Verfassung drängte, und in deren Ergebnis u.a. Luther die Bibel vom Latein in die deutsche Sprache -nicht in die englische Sprache - übersetzte und so die deutsche Schriftsprache schuf, brachte auch der ruinierten Burg Crossen eine „andere Verfassung“.

Hauptmann Wolf Ernst von Wolframsdorf

Der Kurfürst August von Sachsen,aus dem Geschlecht derer von Wettin,gab das ihm so

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 Zugefallene einem seiner besten,fähigsten und zuverlässigsten Getreuen zum Lehen. Letzteres ist zwar in heutiger Zeit nur sehr schwer vorstellbar,aber so geschehen. Damit kam folgerichtig der Aufschwung ab dem Jahr 1585 für die–noch „Burg Crossen“,und den Flecken Crossen samt Gütern.Sein Name: Hauptmann Wolf Ernst von Wolframsdorf Gewohnt überlegt zu wägen um dann entschieden zu handeln,ließ er die Ruine bis auf den noch heute bestehenden runden Bergfried weitestgehend abreissen und einen Neubau des Wohnhauses im Stil der Renaissance errichten.Fortan das „Schloss“ genannt. Rege Bautätigkeit herrschte so auf dem Sporn von 1588 bis 1624. Seine Lust zu bauen verband sich mit seinem Sinn für Stil und Schönheit. Allein das sogenannte Prunkzimmer im Schloss machte dies mit seiner kunstvoll vor Ort gestalteten Stuckdecke deutlich. Mit seiner ihm eigenen Art positiver Unrast für sein Lehen und und seine Familie brachte er wieder Leben in das Schloss,welches so spürbar wieder selbst lebte. Daher gingen von ihm,und so vom Schloss,viele Impulse positiven Wirtschaftens für die seinem Lehen zugehörenden Güter und Orte aus. 1599 lies er das zu seinem Lehen gehörende Gut Nickelsdorf aufbauen, um es so wirtschaftlicher zu machen.


 Die Mühsal der Bautransporte zu dieser Zeit - im Relief im Gut Nickelsdorf 

1604 bis 1606 lies er das Dorfkirchlein zu Crossen, bei Schenkung des Baulandes, um das Kirchenschiff erweitern.In gleicher Zeit lies er ein Spital in Crossen errichten und sorgte für dessen Ausstattung und Betrieb. Die guten wirtschaftlichen Erträge des Gutes nutzte der Hauptmann,um seine wirtschaftliche Basis durch Zukauf zu erweitern,wie u.a.um das Gut Silbitz. Wolf Ernst von Wolframsdorf war nicht nur ein gläubiger Christ,sondern er war das,was man einen wahren Christ nennen kann.Er förderte die Schulbildung der Kinder seiner Untertanen ebenso,wie die musische Entwicklung im Kirchenchor. Er half den Armen mit Naturalien,Geld und den Kranken mit Übernahme der Kosten für Behandlung und Medizin. Sein Regiment war gerecht gegenüber Jedermann,ohne jedoch nachtragend zu sein. Erfolgreich wehrte er für seine Untertanen deren Bedrohung durch Diebe und Mordgesellen ab. Selbst Anforderungen zu Leistungen und Leuten durch den Landesherrn Sachsens,kam er mit der Begründung, diese für seinen Amtsbezirk selbst dringend zu benötigen,nicht nach. So wurde mit dem Schloss auch das Leben um das Schloss spürbar verbessert. Das ehemalige „Finanzamt“ der Bischöfe zu Zeitz wandelte sich vom Nehmenden auch zu einem Gebenden. Man vertraute auf den letzten Ritter von Crossen,im Wissen um dessen Ritterlichkeit in seinem Amts-Bereich,auch wenn die Fron ihm,wie damals üblich, zu leisten war.  Wappen DasGewohnt, überlegt a er  Es verwundert so auch nicht,dass er ein viel gefragter Berater an den Adelshöfen war und er auch seinem Kurfürsten weiterhin treu zu Diensten stand. Anerkennung erhielt er dafür von diesen mit den Ernennungen zum Hofmarschall und Oberstallmeister.  Seine 1604 verstorbene erste Ehefrau,eine geborene von Hirschfeld,wurde nur  40 Jahre alt. Sie fand ihre letzte Ruhestätte in der Hofkirche zu Dresden.  Fortan hatte er auch noch für die Kinder, 4 Söhne und 4 Mädchen,aus dieser Ehe allein Sorge zu tragen. 1608 verheiratete sich Wolf Ernst von Wolframsdorf zum zweiten Mal. Fräulein Sabine von Hoymb wurde so „die Marschällin“,wie sie die Amts-Untertanen des Amtes Crossen fortan nannten. Die Hochzeit,so die Chronik, “.......wurde mit vielem Pomp auf dem Hause Silbitz gefeiert“.

Der Bräutigam hatte u.a.auch das Herrenhaus von Gut Silbitz zu einem sehr ansehnlichen Anwesen machen lassen. Ein Blick auf das Gebäude,welches der jetzige Besitzer sehr gut restauriert hat,dürfte die Bestätigung dessen sein.  Vorder- und Rückansicht des Herrenhauses von Gut Silbitz Nur die Kaleschen sahen zu jener Zeit anders aus und... die Pferde waren auch nicht „unter der Haube“, sondern die zweite Frau des Ritters aus dem Schloss Crossen kam hier unter selbige. Am 25,September 1624 starb Wolf Ernst von Wolframsdorf ,73 jährig, auf Schloss Crossen.  Da aus der zweiten Ehe weitere fünf Kinder hervorgingen,vier Mädchen und ein Junge,gab es an Erben keinen Mangel. Wohl aber Neid und Streit bis zu offenen, Und selbst bewaffneten,Aufruhr gegen die Schwiegermutter,welche jedoch mit sehr großer Umsicht trotzdem ihres verstorbenen Mannes Werk in seinem Sinn mit Erfolg und.... in Gerechtigkeit bis zu ihren Tod weiterführte.

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David von Fletscher

Im Jahr 1700,am Tage Petri,verkaufte der von Stange das Amt

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 Crossen an den Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Commerzienrat von Fletscher zu Leipzig und Wiederau“,schreibt die Chronik von Crossen. Im Vorfeld dieses Verkaufs stand zu lesen,dass Erbe Heinrich von Wolframsdorf das Anwesen nicht halten konnte. Zumal die „Schwedischen Zündhölzchen“ in den Händen schwedischer Truppen anno 1640,bis auf ganz wenige Gebäude im Amt und Ortschaften, alles wiederholt angezündet und so den Flammen übergaben. Eine Last,welche der Erbe des Wolframsdorf wohl nicht aus eigener Kraft kompensieren konnte. Dies führte 1662 zur ersten Subhastation (Zwangsversteigerung auf richterlichen Beschluss). Auch das deutsche Sprichwort „Undank ist der Welt Lohn“ erfuhr in diesen Tagen eine bemerkenswerte Weiterung. Von dem sich auf sein Gut nach Serba zurückgezogenen,schon geschlagenen,Heinrich von Wolframsdorf forderten die Kirchväter mit erfolgreicher Klage 500 Altschock Kapital an die Kirche zu Crossen zu zahlen.(Zur Erinnerung: Sein Vater hatte das Kirchlein einst auf seine Kosten zur Kirche gemacht!) Die Chronik von Crossen vermerkt nüchtern: „Wann und wo er und seine Frau gestorben sind und wo sich seine Kinder hinzerstreut haben,ist nicht bekannt“. Den Zuschlag erhielt ein Herr Hans Abraham von Stange,der Ehemann einer der Töchter von Wolf Ernst von Wolframsdorf. Dieser starb am 16, 02.1673 in Crossen und wurde in der Kirche des Ortes beigesetzt.Sein einziger Sohn,Adam Abraham von Stange,übernahm den Besitz bereits 1673,jedoch wurde ihm erst am 6.Februar 1684 der Untertaneneid geleistet. Nur sechs Jahre später, erwarb David von Fletchser auf einer Auktion per Zuschlag sehr günstig die Konkursmasse des Adam von Stange. „Montag, den 28.Oktober leisteten die Unterthanen des Amtes Crossen und die von Ahlendorf den Huldigungseid.“ berichtet die Chronik. „Drei Tage wurde der Kaufakt im Schloss gefeiert,....bei Musik,Mahlzeit und anderen Ergötzlichkeiten zu allerseits Vergnügung“ (Zitat Chronik). Aber von Fletscher war nicht nur ein lustiger,sondern auch ein sehr baulustiger, sehr angesehener und reicher Herr. Im Besitz der Güter Wiederau, Liebschwitz, Loitsch,Aichtenberg und Trebnitz begleitete er zugleich hohe Ämter. Er führte die Titel: „Kaiserlicher Königlicher Majestät wohlbestellter Rath, Königlich Polnischer und Kurfürstlich sächs. Landkammerrath, Fürstlich Naumburgischer Geheimer Rath und er war Kammerdirektor und dazu Amtshauptmann zu Tautenburg“. Alles in Allem ein tüchtiger und ein sehr einflussreicher Mann,der nun auch noch
das Amt Crossen und seine zugehörige Güter führte. Nach der Übernahme,im Jahr 1700, lies er ein neues Schloss seinen Vorstellungen
nach entwerfen und bis 1712 bauen.Bei Nutzung einiger vorhandener Bauteile entstand so aus dem Schloss des Wolf Ernst von Wolframsdorf,welches zu dessen Zeit im Stil des Klassizismus errichtet wurde,nun ein Schloss im Stil des Barrock. Fletcher war nicht nur wohlhabend,er war zugleich sehr guter Kenner und ein Liebhaber der schönen Künste.Dies belegen noch bis heute sehr überzeugend die Ausgestaltung des Festsaales des Schlosses und ehemals die der nicht mehr existierenden Schloss-Kapelle.  Dafür beauftragte er die italienischen Illusionsmaler und Künstler Giovanni Carovera und Bartholomeus Quadro. Sie schufen in leuchtenden Farben die Welt derer von Fletscher,eingebettet in gemalte architektonische Illusionen. Noch heute,kann sich wohl kein Betrachter dieser perfekt mit dem Pinsel geschaffenen
Illusion großer plastischer Architektur auf völlig ebenen Flächen entziehen. Der Mittelpunkt der Räume ist der zentrale Punkt der Perspektive, welche diesen Eindruck überwältigend vermittelt. Verlässt der Betrachter nur ein wenig diesen Punkt der gewählten zentralen Perspektive, bemerkt er,dass die vorher senkrecht erscheinenden Linien schräg verlaufen. So,als würde die Welt über ihn auf ihn stürzen. Die relativ kleine Schlosskapelle machten die beiden Künstler zur Innenansicht des Peters-Dom. Auch hier wählten sie den Mittelpunkt der Kapelle zum zentralen Punkt der Perspektive ihrer Illusionsmalerei. Die Schlosskapelle gibt es seit 1936 nicht mehr. Das Dach ist, infolge der Schäden durch ausgebliebene Erhaltung, völlig eingebrochen und somit war das einmalige und unwiederbringliche Werk der beiden großen Italiener verloren gegangen. Nur einige ältere Fotos erinnern noch an die einstige Schönheit der kleinen Kapelle und deren so unendlichen Raum,der zwar zum Teil nur eine Illusion war,aber
eine für die Betrachter überwältigend schöne Illusion. Außergewöhnlich auch die außergewöhnlch gute Akustik im Festsaal. Kennt man die einfache Geometrie der Konstruktion der Saaldecke,dann ist sehr erstaunlich,dass mit so wenig, dank gewusst wie,ein solch wohltönender Effekt erreicht wurde. Noch heute bestätigen Messungen von Akustik-Fachleuten dem Saal des Schlosses Crossen seine einmalig ausgezeichnete Akustik. Es bedarf im Saal keiner Verstärker um verstanden zu werden und die Klassiker,gespielt auf dem Flügel,bekommen einen ganz eigenen, unnachahmlich schönen,eingängigen und wohltuenden Klang. Der Zuhörer „versteht und empfindet sie besser“, als in einem weniger akustisch so ausgewogenen Raum, wie in diesem, über zwei Geschosse reichenden Saal des Schlosses Crossen.

Doch das gute Hören, wie das Erfreuen der Augen, als eine gelungene Symbiose von Bauleuten und Künstlern, musste dem Unverständnis der Landesentwickler
und der Ohnmacht des Landes-Denkmalschutzes weichen. Sie haben das Schloss per Hammerschlag unbetretbar gemacht. Das Volk,deren Vorfahren all dies erwirtschafteten, steht vor verschlossenen Toren. Die Kunst, geschaffen im Auftrag eines David von Fletscher, ist dem Verfall preisgegeben, welcher schon für Laien unübersehbar geworden ist. Das Symbol des Denkmalschutzes am Schloss-Tor ist nur noch ein anklagendes Fragezeichen an Verantwortung.  Auch in der sehr schönen,sehenswerten Kirche „Michaelis“ des Ortes Crossen, verschönerten die beiden italienischen Meister, im Auftrag des Hern von Fletscher, deren Decken,wie sie heute - nach sehr guter Restauration- noch zu bewundern sind.


David von Fletscher und seiner Gattin, die Freifrau Johanna Susanna, waren nur wenige Jahre beschieden, um dieses ihr schönes Anwesen leben zu dürfen. Seine Frau verstarb im April 1210 und Herr David von Fletscher folgte ihr nur sechs Jahre später. Beide fanden in der Gruft ihrer Schlosskapelle die letzte Ruhe. Ihr Denkmal ist das heute noch in seiner Anlage nur wenig veränderte Schloss. Es kündet von der außergewöhnlichen Leistung des Herrn David von Fletscher. Sie hatten sich zu Lebzeiten bereits selbst ihren Platz im Himmel ihres Festsaales
malerisch schön reservieren lassen, denn alle von Fletschers sind hier dargestellt.

Sein Sohn als Erbe konnte jedoch nicht an die Leistung seines Vaters anknüpfen. Bedingt durch Misswirtschaft und Krankheit wurde aus Vaters Werk wiederum Konkursmasse.

 

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Jacob Heinrich Reichsgraf von Flemming

erwarb im Jahr 1724 von dem hochverschuldeten Thomas August von Fletscher

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 Schloss, Ländereien,Güter und Wald durch günstigen Kauf.

Der studierte Jurist und erfolgreich wirtschaftende, wie auch kämpfende, neue Herr von Crossen diente dem Kurfürsten Friedrich August von Sachsen. Er wurde dessen Generaladjudant und avancierte 1699 zum Generalmajor des Sächsischen Heeres. Alle seine Ämter, Titel und Verdienste hier anzuführen würde zu weit führen. Kurzum, er war ein tüchtiger, sehr geachteter und ein von seinen Feinden gefürchteter heller Kopf.
Er selbst wohnte nie im Schloss Crossen. Er lies diesen Besitz verwalten, ohne ihn jedoch aus den Augen zu verlieren. Nur vier Jahre nach dem Kauf, im Jahr 1728,verstarb er auf einer Reise in diplomatischer Mission für August den Starken in Wien. Das Schloss hatte er mit seinem Kauf
und der Instandhaltung vor dem Verfall bewahrt. Allein dies ist für den Erhalt dieses Kleinods eine mehr als nur bemerkenswerte Leistung zur Erhaltung der Kultur im Land. Sein Erwerb von Schloss und Gut Crossen war zugleich der Beginn einer fast 200 Jahre währenden Zeit dessen Besitzes durch die Adelsfamilie der von Flemming. Die Erben bewohnten das Schloss nicht dauerhaft, sondern nur zeitweise. Dies änderte erst ab 1777 der nunmehrige Besitzer und Herr von Schloss und Amt Crossen,  Johann Heinrich Joseph Georg Reichsgraf von Flemming.

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Johann Heinrich Joseph Georg Reichsgraf von Flemming.

Dieser machte sich sehr verdient um das Schloss. Er lies mit handwerklich sehr wertvollen

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 Stuckarbeiten Decken verschönern,lies die Räume mit sehr guten wie ebenso teuren Tapeten aufwerten.Das Musikzimmer zeugt noch heute vom guten Geschmack dieses neuen Herrn auf Schloss Crossen. Er war es auch,der die beiden den Schlosszugang flankierenden Kavalierhäuser und das Wirtschaftsgebäude vor dem Schloss errichten lies. Durch diese drei neuen Gebäude erhielt der Schloss-Komplex eine insgesamt neue Silhoulette und einen geschlossenen Schloss-Vorhof.

Gut erkennbar auf diesem beim Überflug per Luftballon aufgenommenen Foto. In den 80er Jahren beauftragte er die Umgestaltung des Außengeländes. Er lies einen Weinberg anlegen, edle Obstbäume anpflanzen und sorgte für den Beginn der Zucht von Hopfen.
Herausragend, die fast vollständig neue Ausstattung des Schlosses mit wertvollen Möbeln im Stil des Barock und Rokoko. Ganze Zimmer-Einrichtungen wurden stilecht neu gestaltet von der Garnitur von Sitzmöbeln, Sofas, Tischen, Betten, Schreibsekretären, Beistelltischen, Spiegeln, Uhren und Lampen. So entstand eine der wenigen noch 1908 erhaltenen durchgängigen stilechten Ausstattung eines ganzen Schlosses im Louis-Seize-Stil, welche dem Schlossherrn zugleich einen auserlesen guten Geschmack seiner Zeit bescheinigt. Dabei dürfen die neu angeschafften kunstvollen Kachelöfen, teilweise in Meissner Porzellan, natürlich nicht unerwähnt bleiben, wurde doch damit nicht nur ein neues Ambiente bedient, sondern durch deren Wärme das Wohnen im Schloss weit angenehmer gemacht.

Die Ortschronik vermerkt dazu: „ Das hiesige Schloss richtete er im Inneren fürstlich ein, er führte einen großen hofähnlichen Haushalt.........Er fuhr meist vierspännig; ein solches kostbares Gespann bestehend aus 4 Schimmeln mit schwarzen Köpfen und war in Ungarn angekauft“.

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Graf Edmund von Flemming

Ab 1866 war der Graf Edmund von Flemming Herr des Besitzes Crossen.

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 Er setzte die Verbesserung der Ausgestaltung des Schlosses fort,lies ein neues Uhrwerk und zwei neue Anzeigen der Uhrzeit für die Bewohner in den Barocken Aufbau des Bergfriedes einbauen,wie sie heute noch zu sehen sind.


Im Zeitraum von 1878 bis 1881 war er Abgeordneter des Deutschen Reichstages.Sein Wirken beschränkte sich also nicht nur auf seinen Besitz,sondern,wie die Chronik von Crossen zu berichten weiß, “........hatte er im Verein mit seiner edelsinnigen Gemahlin ein lebhaftes Interesse an dem Wohl und Wehe seiner ihm nahestehenden Ortsgemeinden und stets offene Hände für die Armen und Notleidenden“.
So lies er, nach Abbruch seines alten Gutes in der Ortslage, an dieser Stelle ab 1888 eine Klein-Kinder-Schule errichten. 1889 wurde diese eingeweiht. Zu Ehren seiner Frau wurde sie „Clementinen Haus“ benannt.


Noch heute ist diese im Dienst der Kinder von Crossen. Den Erfordernissen der Zeit entsprechend wurde diese im Inneren modernisiert. Der Name
„Clementinenhaus“ prangt auch heute über dem Eingang in die nunmehr „Kita“.Auch den Neubau der Schule von Crossen bezuschusste der Graf mit 800 R-Mark. Solche Art des Schlossherren, lies die Menschen im Ort im wahrsten Sinne des Wortes auf das Schloss aufschauen. Edmund von Flemming hat nebst seiner Frau Clementine auf seine Art sehr viel für den Ort, dessen Bewohner und das Schloss getan. Man achtete „das Schloss“, denn es wurde auf diese Art auch zu dem Schloss, zu dem die Untertanen nicht nur mehr wegen dessen imposanter Kulisse aufschauten.
Im April 1897,vier Jahre nach seiner Frau Clementine, verstarb Graf Edmund von Flemming.  Als Erben bestimmte er, da selbst kinderlos, den in der Linie verwandten und ebenfalls kinderlosen Grafen Moritz Severin Florens Albert von Unruh. Damit umging Graf Edmund von Flemming die direkte Erbfolge an seine Nichte, die Baronin Elisabeth von Heyking, geb.Gräfin von Flemming, und er folgte so dem Bann der sogenannten „feinen Gesellschaft“ gegen seine Nichte. Heutzutage wäre dieses sein Verhalten „politisch Korrekt“, also dem nicht durch irgendein Gesetz zwingend den Untertanen verordneten Zwang folgend, genannt worden. Die Realität der Folgezeit konnte er nicht voraussehen. Denn nur wenige Jahre
später ,im Jahr 1908 verstarb Graf Moritz von Unruh und dieser, hielt sich in der Erbfolge an das geltende Recht. Neue Erbin wurde die Baronin

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Elisabeth von Heyking,geb. Gräfin von Flemming,

Gattin des bis kurz zuvor im diplomatischen Dienst des kaiserlichen Auswärtigen Amtes tätigen Barons Dr. Edmund von Heyking.

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So wurde Schloss Crossen ihr erstes eigenes zu Hause in Deutschland,nach über 25 Jahren „Wanderschaft“ als Gattin des Konsuls und Gesandten in vier Erdteilen der Welt. Der letzte Ort der Wanderung war Hamburg, in welcher er als Botschafter den Staat Preußen vertrat,bis eine schwere Krankheit ihn zur Aufgabe des Dienstes zwang. Schloss Crossen wurde damit die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach eigener Scholle und eigenem zu Hause in ihren Heimatland. Ein zu Haus auch für ihre Kinder,welche bedingt durch den Einsatz der Eltern im Ausland viele Jahre ihrer
Kindheit in Obhut ihrer Erzieherin, Fräulein Below, im Schloss der Familie von Flemming in Buckow,in der Märkischen Schweiz, leben und lernen mussten. In eben jenem Schloss,in welchem die junge Elisabeth mit ihrer Schwester Irene längere Zeit ihrer Jugend verbrachte und welches im August 1881 auch die Hochzeit der sich glücklich wähnenden Braut Elisabeth erlebte.


Hatte sie in den Jahren der „Wanderschaft“ Diplomaten-Wohnungen in den Ländern Chile (Valparaiso),in Indien (Kalkutta),in Ägypten (Kairo),in Mexiko, in Jugoslawien (Belgrad) und in Hamburg eingerichtet,richtete sie nun erstmalig mit ihrem Mann im eigenen zu Hause die Wohnung ihrer Familie ein. Ein lange gehegter Wunsch erfüllte sich nun,wenngleich der gesundheitliche Zustand ihres Mannes noch immer nicht als gut bezeichnet werden konnte. Hatte der Familie einst ihr Onkel Edmund - als Heimstatt für ihre Kinder,für sie und ihren Mann - das ihm ebenfalls gehörende Schloss Buckow überlassen,so wurde dieses,wie auch das zugehörige Gut,auf welchem Elisabeth mit ihrer Schwester Irene aufgewachsen ist, infolge der Fideikomiss-Erbregel nicht ihr Erbe. Mit dem Tod des Grafen Edmund von Flemming verloren sie so auch diese vertraute Stätte ihrer und ihrer Kinder Kindheitsjahre. Da alle Möbel und Austattung in Schloss Crossen,so wie von Johann Heinrich Georg Reichsgraf von Flemming ausgewählt und angeschafft,im Schloss verbliebenes Erbe waren,hatte damit die Familie von Heyking eine schöne und geschmackvolle „Grundausstattung“ im neuen zu Hause. Umsichtig,dezent und maßvoll wurde das Schloss zu einem wohnlichen zu Hause gestaltet.So bekamen die vielen aus fernen Ländern mit nach Deutschland gebrachten Gegenstände ihren Platz in den Räumen. Viele der Wände wurden mit chinesischer Seide bespannt.
Von ihr selbst gezeichnete Skizzen und gemalte Aquarelle ergänzten in Zimmern,Fluren und Treppenhäusern das Schloss. Hatte doch die Freifrau
Elisabeth von Heyking ihre Zeit und ihr Erleben in den vier Erdteilen genutzt, dies in Skizzen, Aquarellen und Gemälden festzuhalten. Das ihr von ihrer Großmutter Bettina von Arnim,geb von Brentano,und von ihrer Mutter Armgart mit in die Wiege gelegte beachtliche Talent zum Zeichnen und Malen,bereicherte nun Schloss Crossen. So war für die Besucher der Familie das Schloss zugleich wie eine Reise in die weit entfernte Welt,in vier Erdteile,geworden. So kam es,dass das Schloss nicht nur eine interessante Geschichte hatte,sondern nun selbst durch Bilder Exotisches in Crossen erleben lies. Das Empfangszimmer widmete sie ganz den von ihr besonders verehrten Menschen. Ihrer Großmutter Bettina von Arnim,welche in Lebensgröße von der Wand auf sie wohlwollend herabblickte,und dem großen deutschen Dichter und Geheimen Rat Johann Wolfgang von Goethe,dessen Büste auf sie,als eine der Frauen der Brentanos, blickte. Jeden Tag brachte sie eigenhändig frische Blumen
aus der Schlossgärtnerei für die ihr so wertvollen Menschen. Es muss vermerkt werden,dass mit dieser Erbin eine weit über die Landesgrenzen
des damaligen Deutschen Kaiserreiches hinaus bekannte und geachtete Frau Wohnung in Crossen auf dem Schloss genommen hatte. Ihr weit über den Maßen ihrer Zeit befindliches Wissen, ihre Gabe die Zeit und deren Zeichen treffsicher zu analysieren und in vier Sprachen der Welt perfekt in Wort und Schrift kund tun zu können, waren neben ihrer stets eleganten wie ebenso zurückhaltender Erscheinung Grund dafür, dass ihr sehr hohes Aufmerksamkeit und Anerkennung im Ausland zuteil wurde.  Natürlich war der Wechsel von dem Parkett der Diplomatie und dem der Herrschenden auf den Crossener Sporn alles andere denn leicht. Aber sie hatte damit zugleich Abstand zu dem Teil der Gesellschaft, welcher sie und ihren Mann, wegen der Selbsttötung ihres ersten Mannes und dem nicht Einhalten der „Frist“ für eine neue Verlobung,mit dem Bann von Ihresgleichen belegte. Die Klatsch- und Tratsch-Presse aus vor und hinter dem Wald erfüllte ihre „tragende“ -besser tragische- Rolle in der Gesellschaft in bewährter Manier und Tradition. “Unabhängig“, wunschgemäß und gut bezahlt in konzertierter Aktion, folgte sie als die Marionette der feinen Gesellschaft und so ihren sie bezahlenden „Gönnern“. Mit Fug und Recht kann man auch sagen, dass die von Heykings auf dem Schloss
aus der ihnen „verordneten“ 25 jährigen Verbannung aus dem auswärtigen Dienst zurückgekommen sind. Zurück in ein Deutschland, dass sie zwar noch als Land, aber nicht mehr als ihr Vaterland ansahen. Anderes hätte und würde gegen sie sprechen, nach dieser auf ihr Zerbrechen angelegte Tortour. Aber es war nicht nur eine sehr intelligente und charmante Erbin auf den Schloss angekommen, sondern mit ihr die weltbekannte Schriftstellerin Elisabeth von Heyking. Selbst hartgesottene Dümmlinge aus den „oberen“ erlauchten Kreisen mussten dies zur Kenntnis nehmen. Hatten diese erst das Schwert über sie geschwungen, krochen sie -inclusive der „freien Presse“ - nun mit Weihrauch in ihre Nähe.
Erreichte doch ihr Roman;“Briefe,die ihn nicht erreichten“ schon im ersten Jahr 46 Auflagen und sein Erscheinen in der ganzen Welt. Dessen Inhalt, ein gebündelter Strahl wie ein Laser, der die Zeit, die Um- und Zustände der Aussenpolitik der Europäischen Länder im Streben nach der Hegonomie der Macht, ohne Rücksicht auf die jeweiligen Völker, mit List und Gewalt in die Wahrnehmung der Menschen einbrannte. Fast überflüssig zu erwähnen, dass dies in einer feinsinnigen wie stilvollen Form geschrieben und beschrieben wurde. Dabei sehr informativ und auch spannend für Hirn und Herz geschrieben. Immerhin konnte nun der Kaiser seine hohe Anerkennung für diese Geächteten nicht nurmehr als Randnotiz auf dem Bericht seines Gesandten ausdrücken,mit „danke“ und „sehr gut“,welchen Elisabeth in Feinschrift gefasst hatte,sondern er
konnte ihr nun vor der „feinen“ Gesellschaft wieder den Arm zum Geleit in seine Ehrenloge anbieten. Die Presse verlor „ihre Sprache“ ....und in ihrem Schloss hatten die Heykings ohnehin Hausrecht für das Fernhalten der Schreiberlinge. Der dumpfe Hass wich nun dem nicht weniger dumpfen Neid. Jedoch ist das Dumpf in der herrschenden Kaste alles andere, denn befreiend für die Betreffenden,wenngleich, um ihres eigenen Fortkommens willen, der offene Affront der Kaste Waffenstillstand gebietet. Nicht etwa Einsicht, Recht und die Wahrheit. Das gab es schon zu Zeiten des Kaisers nicht. Wir sind auch und gerade hierin ein sehr „traditionsreiches Land“. Wie uns dies die Geschichte der Freifrau Elisabeth von Heyking und ihres Gatten in der Geschichte des Schlosses Crossen noch deutlich machen wird.  Aber ein Haus, noch dazu ein ganzes Schloss, spart nicht Geld, sondern kostet Geld. Je größer, um so mehr. Das einst beachtliche Vermögen seiner Frau hatte ihr Mann, ein immerhin promovierte Volkswirtschaftler(!!!),durch Fehl-Spekulation in ein Unternehmen in Chile im wahrsten Sinne des Wortes „verspielt“. Mit dem Salär der im Inland verstoßenen und so im im Auswärtigen Dienst tätigen, wäre die Erhaltung eines Schlosses nicht möglich. Es war das Können und der Fleiß
der Schriftstellerin und der Malerin Elisabeth von Heyking, welche für die Familie auf dem Schloss die finanzielle Basis für das Leben auf einem solchen Anwesen gaben. Hinzu kamen die aus der Verpachtung der Landwirtschaftsflächen und der Höfe erzielten Einnahmen. Im Februar des Jahres 1009 feierte das Ehepaar von Heyking auf Schloss Crossen seine Silberhochzeit. Anlass ein Foto zu machen, mit den Söhnen Alfred und
Günther, mit Fräulein Below und all denen, welche der Familie zu Diensten standen und der Honoration des Ortes, vom Pfarrer bis zum Ortspolizisten.

In der ersten Reihe. Günther von Heyking, Baron Edmund von Heyking,Elisabeth von Heyking, Alfred von Heyking. Zwischen den Ehepaar Fräulein von Below.

Der Zugang in den Innenhof des Schlosses durch den Bergfried war noch 1909 eine hohe rechteckige Öffnung mit einer gestalteten Doppeltür in Holz. Viele sehr bekannte Personen durchschritten diese als Gäste der Elisabeth von Heyking. Darunter der bekannte Schriftsteller Thomas Mann, der Staatssekretär im AA Wilhelm Solfs mit Gattin,der Historienmaler Beckmann, der Architekt des Potsdamer Cecilien-Hofes,Paul Schultze-Naumburg,der „sächsische Fontane“ Otto Eberhard Schmidt,der Deutsche Gesandte in Lissabon, Friedrich Rosen. Ihre Schwester, die Schriftstellerin Irene Forbes. Mosse, Tochter Stephanie mit ihren Kindern und ihren Mann,Hans von Raumer, auch als der „Voltaire von  Preußen“ genannte Reichtagsabgeordnete und spätere Reichsminister.  Das Schloss lebte so, es wurde Treffpunkt von Schriftstellern, Verlegern, von Architekten, Malern und Diplomaten. Hier schrieb die Schlossherrin ihre Romane „Ille mihi“, “Tschun“,die Novelle „Die drei Orgelpfeifen“, und andere. Das Schloss zu Crossen machte dessen Erbin so zu einem Zentrum der Literatur, der Kunst und des Austausches von Gedanken zu Geschichte und zum
Zeitgeschehen.

1915 wurde ihr nach langer Krankheit verstorbener Ehemann in der Gruft unter der Schloss-Kapelle zur letzten Ruhe gebettet. „Das wirkliche England“, wie ein kurzer Aufsatz von ihm getitelt, war seit 1914 zur Wirklichkeit geworden. Der Krieg um den Weltmarkt wurde zum Weltkrieg. Auch für die Erbin des Schlosses hatte dies spürbare Auswirkungen. „Der weise Elefant, frisst mich noch auf“, sagte sie in Anlehnung an ihre Zeit in Indien und meinte damit ihren erforderlichen finanziellen Aufwand für das ihr doch -wie ein weiser Elefant- Glück bringende Schloss.
So wurde es zeitweise Lazarett für verwundete Soldaten des Kaiserlichen Heeres, zeitweise auch die Heimstatt für 20 arme Stadtkinder auf ihre Einladung und Kosten, längerer Aufenthaltsort auch für die Enkel und Tochter aus dem schon Not leidenden und hungernden Berlin.....und „Urlaubsort“ für ihre beiden im Feld stehenden Söhne. Das Schloss lebte noch, aber es lebte den Krieg, den Ersten! Das mit voller Tragweite,denn beide Söhne fielen an der Westfront. Ihr Leben ausgelöscht und damit das der Elisabeth, wie von Millionen Müttern, zur großen Leere gemacht.


Was ihr neben den Enkeln und deren Eltern blieb, war der „weise Elefant“ und sein Fordern. Nur das Alleinsein konnte dieser nicht ändern, sodass sie, auch gesundheitlich angeschlagen, des öfteren zur Behandlung und zu Kuren musste. Das Fehlen von Freunden und des geistigen Austausches machte der sehr intelligenten Frau doch mehr zu schaffen, als sie offen zugab. Ihre Schwester bewunderte diese Gabe, sich den inneren Schmerz nicht anmerken zu lassen,als fast übermenschliche Stärke nach außen, bei innerer Zerbrechlichkeit. Im Januar 1925 weilt sie bei Ihrer Tochter, Stephanie von Raumer, in Berlin. Beim Aufbruch zu einem gesellschaftlichen Treffen, zu dem sie einen sie bereichernde Konversation mit einem sehr bekannten und bedeutenden Professor der Philosophie erwartete, erleidet Elisabeth von Heyking gleich zwei Schlaganfälle in Folge und kehrt nicht wieder in das Leben zurück. Ein Sonderzug, begleitet von ihren Enkel Hasso von Raumer und ihren Neffen aus der Familie derer von Putlitz,dem Diplomat Wolfgang Gans Edler Herr zu Putlitz, brachte ihre sterbliche Hülle sie auf ihrer letzten Fahrt zurück nach Crossen.  Sie wird, unter großer Anteilnahme der Crossener an der Trauerfeierlichkeit, am 25.Februar 1925 in der Schlossgruft neben ihren Mann zur letzten Ruhe gebettet.
Noch heute liegt sie so in ihren Schloss. Eine weit mehr als nur beachtenswerte Frau, unbeachtet und ungeachtet, bis in diese „unsere“ Tage.



Obwohl 200 Jahre im Besitz der von Flemming, ist die Ähnlichkeit zwischen dem Erstbesitzer und der letzten Besitzerin aus der Linie von Flemming geradezu verblüffend. „ Niemand konnte sich dem Zauber dieser seltenen Frau entziehen. In keiner Weise legte sie es darauf an zu gefallen oder Aufmerksamkeit zu erregen.  Sie war zurückhaltend in vornehmer Ruhe, ihre Sprache hatte einen schwingenden, musikalischen Klang. - Nur der aufmerksame Beobachter empfand das starke Innenleben dieser Frau, die bloß wenigen einen Blick in ihr Inneres gestattete, das in ihren Büchern zu tiefem Ausdruck gelangte. Ihr Leben war ein Roman, von Jugend an, und von Jugend an führte sie, die Reichbegabte, ein Doppeldasein: Hier die Frau der großen Welt, die Gattin eines Diplomaten, internationaler Verkehr, gastliches Haus, weite Reisen; dort die Stille, Insichgekehrte, die sich wenig aus dem rauschenden 'Weltplunder' machte, für dessen Narrheiten sie bloß ein leichtes Lächeln übrig hatte“. Besser, als dieses Zitat der Erinnerung des Schriftstellers Paul Lindenberg - aus Seite 255 des Buches von Armin Strohmeyer „Die Frauen der Brentanos“-kann man wohl die Persönlichkeit dieser Frau vom Schloss für das Schloss nicht in Worte fassen.


 

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Edmund von Bockum-Dolffs

Als ob die Zeit stehen geblieben sei,kam als Erbe keine Persönlichkeit ,sondern der Nordrhein-Westfale

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 Edmund von Bockum-Dolffs, ein entfernter Neffe aus der Linie der von Flemmings durch Heirat. Er kam, sah, ..und hatte nur im Sinn,dass aus dem ihm wie aus heiteren Himmel zugefallenen Erbe mit Höchstpreisen zu seinem höchsten Nutzen in Geld zu wandeln. Für das Rittergut Crossen,das Rittergut Nickelsdorf,das Schloss mit samt Einrichtung,die Felder,Wiesen,Waldungen forderte er 1.200.000,00 RM. Das dies um Längen zu hoch angesetzt war,bedarf nur der Information,keineswegs aber der besonderen Erwähnung. Das Angebot der Brüder Zersch von 750.000,00 Reichsmark für das Ererbte schlug er aus. Er beauftragte die damalige „Deutsche Landverwertungsgesellschaft“ mit der Teilung der Herrschaft Krossen. Von dieser kaufte 1927 Herr Rudolf Zersch das Rittergut Krossen,den Mühlberg als Wald, den Teisker Wald und Feld für 238.000,00 RM. Das Schloss und die zu seinem Erbteil zugehörigen Teile der Ausstattung blieben ohne Käufer. So lies der Herr von Bockum-Dolffs das bewegliche Inventar,also die Möbel,die Seidenbespannungen der Wände,Lampen,Leuchter,Spiegel,die Öfen und selbst Türbeschläge und Türklinken durch Beauftragung von einem Auktionshaus unter den Hammer bringen. Danach ward er nie wieder im Ort gesehen,und das Schloss überlies er sich selbst,also dem Verfall. So konnte er mit lässiger Eleganz darauf verweisen,was er doch für ein marodes Schloss geerbt hat. (Ähnlichkeiten sind rein zufällig)! Der letzte Teil der Planung, des Aufschwungs durch Verfall, ging zum Glück für das Land und seine Kultur,jedoch nicht bis zum bitteren Ende auf.

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Rudolf Zersch

Am 13.Mai 1937 wurde das Schloss in Zeitz versteigert. Als Höchstbietender

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erwarb das Schloss für 30.000,00 RM,der erfolgreiche Unternehmer und gebürtige Bad Köstritzer, Herr Rudolf Zersch das,was man kaum noch Schloss nennen konnte.Nur zwölf Jahre nach der Bockum'schen Übernahme zur „Verwertung“ im Jahr 1925,hatten aus dem einst stolzen und schönen Schloss bereits eine fast Ruine gemacht.Ein Umstand,der einerseits die Raffgier des Erben zu einem niedrigen Auktionspreis zwang, andrerseits aber für Herrn Zersch eine hohe Anforderung an die Rettung des Schlosses stellte. Zumal er durch die baulichen Zustände zu schnellem Handeln gezwungen war ,wollte er den Einsatz seiner Mittel nicht durch weiteren Verfall unnütz erhöhen müssen.

Herr Rudolf Zersch, ein Mann der Tat für die Region Den baulichen Zustand des Schlosses zur Zeit des Erwerbes beschrieb der Glasermeister Kurt Blechschmidt als Ortschronist am 12.Oktober 1937 wie folgt: „Man kann nur sagen, es ist ein Trümmerhaufen. Und wenn man schon böse
Zustände erwartet hatte, diese wurden weit übertroffen. Die Dächer sind alle verfallen bis auf das, welches den wunderschönen Saal deckt. Der Heimatverein von Krossen hatte in selbstlosem Gemeinschaftssinn dieses Dach ausbessern lassen, und so ist wenigstens der Saal, bis auf wenige Stellen, mit seiner wunderschönen Prospektmalerei erhalten geblieben. Die Kirche aber, wohl der schönste Teil von Schloss Krossen, unter der der
Erbauer des Schlosses,von Fletscher,seine Ehefrau und die letzte Bewohnerin des Schlosses Freifrau von Heyking mit ihren Gemahl ruhen, war leider nicht mehr zu retten. Der größte Teil des Daches war eingestürzt, die wunderbaren Deckengemälde längst zerstört, die Orgel zerfallen, ein Bild des Grauens,wie ich es oft nur zu oft im Kriege erlebt habe. Aber auch in den anderen Räumen waren entsetzliche Zustände. Von den Dächern war der Schiefer herunter gefallen, Jahr für Jahr,Sommer und Winter fanden Regen und Schnee Angriffspunkte. Der Schwamm hatte sich daher überall eingenistet, so dass sämtliche Balken, da die Köpfe von Schwamm befallen waren, ausgewechselt werden mussten. So blieb kein Zimmer, außer denen unter dem großen Saal, die auch Frau von Heyking zuletzt bewohnt hatte, unberührt. Selbst die wundervollen Stuckdecken im ersten Geschoss, neben dem Saal, waren trotz vieler Mühe und Arbeit nicht zu erhalten. Auch hier hatte der Schwamm seit langen Jahren sein Vernichtungswerk aufgenommen. Durch zwei Etagen fielen die verfaulten Balken, vom Boden bis ins Parterre, alles mit sich reißend. So bot das Schloss Krossen ein trauriges Bild des Zerfalles, und es gehört viel Mut dazu, diesen Barockbau wieder in Ordnung zu bringen.“ Auch die „Hallischen Nachrichten“ vom 16. April 1938 veröffentlichten einen längeren Artikel mit Zeichnungen zu den traurigen Zuständen des Schlosses und seinem mutigen wie selbstlosen Retter.


Das Innere der ehemaligen Schlosskapelle
Wie der Glasermeister und Chronist weiter schrieb : “Aber mit Fleiß ging es ans Werk. Zunächst wurden die Dachstühle erneuert, diesen Auftrag erhielten die Zimmermeister Suhr-Krossen und Döhler-Rauda, dann wurden die Dachflächen mit Dachpappe überzogen vom Dachdeckermeister Witiska in Krossen und ferner alle Dächer bis auf das Dach über dem Saal das nur an den Seiten erneuert wurde,  neu mit Schiefer eingedeckt von den Dachdeckermeister Leberwurst aus Gera. Weiter mussten, nachdem die äußere Haut der Gebäude in Ordnung gebracht war, sämtliche Zimmerdecken mit Balkenlagen entfernt und überall neue Balken eingezogen werden. Man kann eigentlich sagen, dass nur noch die Mauern stehen geblieben sind, denn auch die Heizung,die Lichtleitung,die sanitären Anlagen, alles war zerstört. Auch der äußere Putz war schlecht und fiel im großen Stücken von den Wänden. Dieser wurde ebenfalls erneuert. So waren täglich 25 bis 30 Mann am Werk,  das Schloss Krossen vor dem Verfall zu retten.“ Die bereits erwähnte Ausgabe der “Hallischen Nachrichten“ titelte :

Genannter Chronist schrieb weiter: “ Schloss Krossen,dessen bisheriger Zerfall sich lähmend auch auf die Wirtschaftslage des Ortes auswirkte,hat einen neuen Besitzer. Der Verfall ist aufgehalten. In neuer Festigkeit grüßen bereits Teile des stolzen Baues. Seine Erhaltung ist darauf ausgerichtet,neues Leben auch über unseren Heimatort auszubreiten. Neues Hoffen hat in unserer Gemeinde Einzug gehalten. Möge die hochherzige Tat des Herrn Rittmeisters a.D. Rudolf Zersch immer dankbaren Herzen begegnen und unvergesslich sei die Tat des edlen Mannes“.
Ein amtlicher Lageplan des Schlosses und dessen zugehörigen Flächen und Park, aus dem Baubüro des Herrn Rudolf Zersch stammend,ist in Auszügen nachstehend abgebildet:

Die wohl den Ideologen aller Farben typische Unfähigkeit,zu denken und so zu differenzieren, traf auch das Schloss und den um dessen Rettung verdient gemachten Herrn Rudolf Zersch. Von Anerkennung von Leistungen für das vorgeblich vertretene Land ganz zu schweigen. Die „Bodenreform“, beschlossen von allen vier Siegermächten auf der Potsdamer Konferenz, enteignete auch Frau Luise Zersch,die Ehefrau und Alleinerbin des bereits am 14. März 1939 - also noch vor Kriegsausbruch- im Alter von 58 Jahren verstobenen Rudolf Zersch von allem Besitz.
Damit nicht genug, schlugen die Gerechtesten aller Gerechten des Landes, die deutsche „Landesbehörde Thüringen“,der Sowjetischen Militär Administration Deutschland (SMAD) sogar,auf der von ihnen vorgeschlagenen „Abrissliste für Herrenhäuser“,als deren letzte Position das Objekt Schloss Crossen zum Abriss vor. Das, obwohl Famlie Zersch nie auf dem Schloss gewohnt hat,sondern auf Gut Hartmannsdorf. Dieses Haus,steht so noch heute. Es wurde nach erneuter, aber nun „demokratischer“ Enteignung vom neuen Enteigner via Treuhand wie sein Eigentum „verkauft“. Dank dem Käufer und neuen Besitzer inzwischen tadelsfrei rekonstruiert,ist es nun eine Augenweide und........noch immer keine Gefahr für Land und Leute. Wohl aber ist es eine sehr dringende und aktuelle Mahnung zum Nachdenken!!! Die ganze Infamie erfährt der Leser via Internet durch Eingabe der Adresse www.youtube.com/watch?v=dK7tkMyxJ8g oder durch aufrufen von www.youtube.com und nach Eingabe nachstehenden Titels in die Titelspalte Wie man ein ganzes Land verkauft...
Eine alles Andere als alltägliche,erschütternde filmische Dokumentation von einer jungen,bemerkenswert mutigen Wissenschaftlerin erwartet ihn und weist nach, wie in Wirklichkeit mit der Wahrheit und dem Eigentum umgegangen wurde und wird. Es sind Abgründe,welche sich dem Betrachter und Hörer auftun. Ein zwölf Minuten dauernder Blick in das Falsch,auch Politik genannt. Jeder weiß danach,wo er in Wirklichkeit angekommen ist,zumal dies wohl nur der Gipfel des Eisberges sein dürfte. „Jetzt aber,kann ich mir so ziemlich Alles vorstellen“,so der letzte Satz der selbst sichtlich und hörbar erschütterten Wissenschaftlerin. Das Schloss auf dem Sporn wird zwar nicht genannt,aber ...der Rechtsanwalt des im besagten Film auch handelnden Unternehmers Dr. Madaus ist.....der Urenkel der Elisabeth von Heyking! Es ist wie ein Anachronismus,dass es ausgerechnet der Kultur-Offizier der für den Bereich Zeitz zuständigen SMAD-Abteilung,

 

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Major Prof. Dr. Jefimow

war,welcher mit seinem entscheidenden „Nein“ zu dem Abrissvorschlag

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 das Schloss,und damit auch die Leistung des Herrn Rudolf Zersch für dessen Erhalt, vor dem Untergang bewahrte. Er war auch der spiritus rektor für die Nutzung des Schlosses als Institut für Lehrerausbildung,welches Anno 1991 das Aus erlebte. Das „Aus“ auch,für herausragenden Persönlichkeiten für das Schloss Crossen,da das Agieren auf dem Immobilien-Markt dergleichen nicht hervorbringen kann und nicht hervorbringen wird. Bleibt nur das Hoffen darauf,dass möglichst bald wieder eine besonders herausragende Persönlichkeit,das Schloss aus dessen Schlaf in den Verfall rettet und durch neues Leben im Schloss das Schloss selbst wieder zum Leben erweckt. Es gibt nach dem wiederum neu gedeckten Dächern viel zu tun,wie ein Foto aus dem Jahr 2004 nachdrücklich zeigt.

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